1. Februar 2014

Eine Einschätzung von Prof. Dr. Friedrich Loock auf entsprechende Kommentare in den jüngsten Ausgaben von politik und kultur (puk). Auch andere KM-Einrichtungen gaben eine Einschätzung ab, die nach Auskunft von Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, in der nächsten puk-Ausgabe veröffentlicht werden:

Populistisches Zündeln?

Eigentlich ist es doch schön, dass immer noch so leidenschaftlich allein über den Begriff „Kulturmanagement“ diskutiert wird. Denn es zeigt: Wäre den Diskutierenden das Kulturmanagement egal, dann würden sie darüber nicht sprechen wollen. Es genügt offenbar immer noch, nur die Vokabel aufzurufen, und schon rennen viele in ihren Deutungen und Wertungen los. Wohin sie rennen und warum sie rennen, das wissen sie oft selbst nicht. Wahrscheinlich: Hauptsache rennen.

Zugegeben, auch wir an unserem Hamburger Institut überlegen immer wieder, ob es vielleicht einen besseren Namen gibt; doch bis dato ist uns keine geeignete Alternative eingefallen. Die Vorgaben für die Namensfindung sind zu eindeutig: „Kultur“ sollte enthalten sein und auch „das Führen und Formen von Strukturen und Abläufen“ (kurzum: Management).

Vielleicht ist es aber das Ausbildungsspektrum, das die Gemüter erregt. Dieses ist allerdings aufgrund der Alltagserfordernisse an Kulturschaffende und Kultureinrichtungen derart weit gesteckt, dass niemand in all diesen Bereich Fachkraft sein kann. „Wirtschaft“ und „Recht“, „Politik“ und „Gesellschaft“, „Führung“ und „Organisation“, „Kultur“ und „Medien“ – all diese Bereiche soll man in 6 Semestern (Bachelor) oder 4 Semestern (Master) erlernen können?

Nicht selten vergleicht man Kulturmanager daher gern mit Enten: Jene können schwimmen, tauchen, laufen, fliegen … allerdings nichts davon richtig gut. Auch KulturmanagerInnen können nach ihrem Kulturmanagement-Studium vieles, aber (bezogen auf das KM-Studienangebot) nichts richtig gut. Wer daraus ableitet, es bräuchte grundsätzlich kein oder ein anderes KM-Studium, der möge bedenken: (1) „Kulturmanagement“ beschreibt keinen Arbeitsplatz, sondern ein Arbeitsfeld. Dieses Arbeitsfeld ist derart verzweigt, dass niemand alle Verzweigungen bearbeiten kann. (2) Es braucht dafür Menschen, die sich in einer / einigen der genannten Disziplinen gut auskennen – z.B. in Wirtschaft oder in Recht, in Politik oder in Gesellschaft. Diese Menschen aber sollten zudem auch über Kenntnisse aus anderen Bereichen verfügen, da die Kultur von allem umgeben ist. Oder würden Sie Netto-BWL’er zum Orchesterdirektor berufen? Oder welches Theater würde Richter-taugliche Juristen (= mit Prädikatsexamen), die in ihrem Studium niemals zuvor mit Themen des Künstlerrechts befasst waren, einstellen?

Warum werden Kulturmanagement-Studiengänge infrage gestellt? Weil sie ein Curriculum bewältigen müssen, bei dem man letztlich nur verlieren kann, da immer irgendetwas fehlt? Oder weil es Absolventen gibt, die nicht alles können? Oder weil es Studienanbieter gibt, die auf die Packung „Kulturmanagement“ schreiben, obwohl etwas anderes enthalten ist? Ja, all das gibt es ohne Frage und so etwas wird es auch weiterhin geben. Aber wirft man deshalb alles in einen Topf und stellt es grundsätzlich in Frage? Ein solch undifferenziertes Vorgehen erscheint eher als populistisches Zündeln. Wer’s denn braucht …?!

Wir in Hamburg sind dankbar für Anregungen jeder Art. Denn niemals würden wir für uns in Anspruch nehmen, bereits alles perfekt und gänzlich frei von Korrektur- und Ergänzungsbedarf zu machen. Wir wissen aber auch, dass die Studierenden zu unterschiedlich sind und man sie nicht mit einem Einheitsbrei zu perfekten Managern formt. Vielmehr liegt die Kunst (und Schwierigkeit) eines Ausbildungsanbieters darin, den höchst unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausreichend Raum zur Entfaltung zu geben. Daher lautet unser Motto in Hamburg: „Kulturmanagement kann man nicht nur erlernen, man muss es auch erleben.“

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12. Oktober 2013
Prof. Dr. Friedrich Loock

Die Kosten für die Hamburger Elbphilharmonie (Photo: Hamburger Abendblatt) liegen (derzeit) bei kalkulierten 770 Mio. €. Ursprünglich geplant waren 77 Mio. €. Wir sind es ja inzwischen gewohnt, dass sich die ursprünglich geplanten Zahlen insbesondere bei öffentlichen Bauten nicht halten lassen. Dennoch: Eine zehnfache Steigerung (und darin sind die Betriebskosten nicht einmal enthalten, bei denen man ebenfalls eine erhebliche Steigerung gegenüber der ursprünglichen Planung erwartet) übersteigt sämtliche Erfahrungen und Erwartungen.

Das allein ist also schon schlimm genug. Doch etwas ist möglicherweise noch viel schlimmer: Der Umgang mit dem Ergebnis dieser unfassbar schlechten Planung. Auch sozial schlechter gestellte Bürgerinnen und Bürger Hamburgs können aus ihren Wohnungsfenstern die Baustelle sehen. Die Elbphilharmonie steht wie ein Fanal – für eklatantes Politik-Versagen und für eine sich höchst arrogant zeigende Hoch-Kultur. Denn jene Bürgerinnen und Bürger erhalten aus den Reihen der Kulturverantwortlichen kaum mehr als Hinweise wie “Kultur ist wichtig und kostet halt”. Das klingt ihnen in ihrem in der Regel wenig(er) kultur-dominierten Alltag wie Hohn.

Die (vermeintlichen?) “Kulturwahrer” müssen also aufpassen, dass sie nicht zu “Kulturkillern” werden. Denn mit allzu ignorantem Verhalten schüren sie sozialen Widerstand gegen Kultur insgesamt. Längst steht in Hamburg die “Elbphilharmonie” nicht mehr nur für “überteuerte Kultur-Bauten”, sondern ist zudem zum Symbol geworden für “zu hohe Kosten für zu hohe Kultur”. Es ist dringend erforderlich, dass Kulturverantwortliche von ihrem hohen Ross absteigen und auf Augenhöhe den Austausch mit jenen Bürgerinnen und Bürgern suchen, die das Erfordernis von (Hoch-)Kultur keineswegs automatisch erkennen.

Übrigens: “Elbphilharmonien” gibt es auch andernorts.

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26. September 2013
Prof. Dr. Oliver Scheytt

Wie heißt es doch so schön: „Der wahre Wert der Kultur liegt in ihrer Unbezahlbarkeit“. Es ist richtig und wichtig, dass wir den Eigenwert künstlerischer Arbeit betonen. Die Kunstfreiheitsgarantie des Grundgesetztes macht uns bewusst: Kunst ist um ihrer selbst willen zu schützen und zu fördern. Damit setzt unser Kulturstaat auf die Eigensinnigkeit von Künstlerinnen und Künstlern, auf Entfaltungs- und Reflexionsräume, in denen sich Ideen entwickeln, neue und alte Fragen an unser Leben und die Gesellschaft gestellt werden, so vergewissern wir uns durch und in Kunst unserer Identität.

Künstler bringen dafür eine hohe „intrinsische Motivation“, mit. Sie beginnen zu denken und zu arbeiten, ohne schon zu wissen, ob sie später dafür wirklich bezahlt werden. Umso bedenklicher ist es, wenn Kultureinrichtungen und Auftraggeber immer mehr darauf setzen, diese überschießende Intendenz auszubeuten und die Bezahlung immer prekärer werden lassen. Daher ist es sehr erfreulich, dass sich eine neue Initiative gegründet hat: „art but fair“, die „Goldene Regeln“ formuliert hat für künstlerisches Schaffen (www.artbutfair.org). Sie setzt auf die Solidarität unter den Künstlerinnen und Künstlern und mit den Auftraggebern.

Diese Initiative verdient unsere Unterstützung, wir wünschen ihr viel Erfolg!