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Majid Montazer

Dipl. Musiker
Dipl. Kultur- und Medienmanager

Aktuell:
MA Concert & Consulting : Geschäftsführer / Gesellschafter
Komponist und Arrangeur

Promotionsthema:
„Die Musikkultur im Iran seit der islamischen Revolution – Wie konfrontative Annäherung Verbot und Zensur überwindet“

Betreuer:
Prof. Dr. Lars Schmeink

 

 

Majid Montazer über seine Arbeit:

Der Iran erlebte nach der islamischen Revolution von 1979 auf politischem und infolge dessen auch auf kulturellem Gebiet einschneidende Veränderungen. Für alle Musikschaffenden des Landes bedeutete etwa Imam Khomeinis erste Fatwa zur Musik eine erhebliche Erschwerung, häufig sogar das Ende ihres bisherigen Erwerbslebens. So untersagte die islamische Regierung alle Aktivitäten, die sie als „mit der islamischen Scharia nicht konform“ erachtete. Maßgebliche religiöse Gelehrte kritisierten und bekämpften Musik als latente Ablenkung von den religiösen Pflichten der Gesellschaft – und dies besonders dezidiert im Hinblick auf die Musikkultur unter dem Pahlavi-Regime. Nicht nur Veranstaltungsorte und Musikbars wurden geschlossen. Auch Musikverlagen und Labels erging es auf bloße Anordnung der neuen Regierung hin nicht besser.

Etwa neun Jahre nach der ersten erließ Ayatollah Khomeini eine zweite Fatwa, der zufolge Musik nicht mehr per se verboten war. Von diesem Zeitpunkt an nahmen einige Musikschulen ihre Tätigkeit wieder auf: Wenn auch staatlicherseits strikt reglementiert und kontrolliert. Ein Überschreiten vorgegebener Grenzen konnte jedoch jederzeit zur Aberkennung des Künstlerstatus führen – und somit weiterhin ein Berufsverbot bedeuten. Der strengen staatlichen Zensur zum Trotz entwickelte sich insbesondere im 21. Jahrhundert eine im Untergrund tätige Musikszene. Musiker und Labels, die keine Genehmigung zur regulären Veröffentlichung ihrer Werke erhalten oder die sich nicht den Vorgaben der Regierung beugen und zensieren lassen wollen, veröffentlichen ihr Schaffen nun häufig über private Online-Plattformen.

Gestützt auf die technischen Möglichkeiten der Datenübertragung können iranische Künstler ihre Werke vom Exil aus durch Portale wie YouTube oder Facebook verbreiten. Auch der Empfang ausländischer Fernsehsender über Satelliten oder über das Internet erschwert es dem iranischen Regime, auf die Rezeptionspräferenzen in privaten Räumlichkeiten wirksam Einfluss zu nehmen. Um ausländische „Infiltration“ zu verhindern, sind trotz massiver Gegenwehr von Religionsgelehrten iranische Kulturpolitiker dazu übergegangen, auch im Inland die Etablierung westlich orientierter Stars zu ermöglichen, um deren Einfluss auf die Jugend relativ zu ausländischen Vorbildern zu erhöhen. Die derzeitige Regierung unterstützt sogar iranische Musiker, die in Europa und den USA konzertieren. Zahlreiche Blogs und Zeitschriften widmen sich dem Thema Musik. Dennoch gibt es immer wieder Anlässe für fadenscheinige Konzertabsagen oder für vormals erhältliche CDs, die einer vorliegenden Produktionsgenehmigung zum Trotz plötzlich nicht mehr verkauft werden dürfen. Gleiches gilt weiterhin für Künstler, die zwar über eine Arbeitsgenehmigung verfügen, denen aber dennoch ein Arbeitsverbot erteilt wird.

Gegensätze der geschilderten Art sollen in ihrem zeitlichen Verlauf der vergangenen vierzig Jahre konkreter untersucht werden, um die jüngere Entwicklung der iranischen Musikkultur im Nachgang der dortigen islamischen Revolution zu beschreiben.